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Zum Tode von Robert Enke
Gestern Abend habe ich lange über die Nachricht vom Tode Robert Enkes nachgedacht. Da ist mir bald der Sebastian Deisler eingefallen und dass er bei allem Unglück, das damals über ihn hereingebrochen war, doch noch ganz viel Glück hatte. Glück in dem Sinne, dass er von seinen Depressionen so platt war, dass er es im Training und auf dem Spielfeld nicht verbergen konnte. Also konnte ihm geholfen werden. Zwar hat er zumindest sportlich einen hohen Preis bezahlen müssen, aber immerhin – er lebt.
Der Robert Enke hatte die Kraft, den Willen, das fatale Geschick, dass er von seiner näheren Umgebung offensichtlich unbemerkt oder falsch beurteilt, den Weg der Düsternis ganz tief in sich drinnen beschritten hat. Bis zu diesem bitteren Ende. Ich bin traurig darüber. Nicht nur weil Hannover 96 und der Nationalmannschaft ein großartiger Spieler fehlt. Nicht nur weil er ein aktiver Kämpfer gegen rechtsradikale Strömungen in unserer Gesellschaft war, oder weil seiner Familie jetzt der Mann und Papa fehlt. Nein, ich bin auch traurig, weil ich aus eigener Erfahrung weiß wie es hätte gehen können. Ein Weg durch Kliniken, durch Medikamentennebel, durch zahllose Therapiesitzungen. Ein Weg, den ich selber drei Jahre lang habe gehen müssen. Und weil ich leider weiß wovon ich spreche bin ich am meisten traurig. Wenn ein absoluter Durchschnittsmensch wie ich das packen kann, denn heute geht es mir – von ein paar Einschränkungen abgesehen, mit denen ich leicht leben kann – wieder gut, dann bin ich mir sicher der Robert Enke hätte das erst recht packen können.
Jedenfalls wünsche ich seiner Familie und seinen Freunden Kraft, Zuversicht, Stärke und Hoffnung, dass die sonnigen Tage wieder kommen werden. Denn das wird so sein.


