Archiv für Juli 2008

Ferien

Sommer ist draussen. Deshalb mache ich hier bis Ende August Pause. Zudem werke ich nebenbei ein klein wenig an einem neuen Projekt. Also bis 1. September und…. bleibt mir gefälligst treu ;-)

Mayer im TV

Jetzt ist es also tatsächlich so gekommen… Wie ich in meinem Posting über die Twitterlesung schon gemeldet hatte, bin ich nach dem Ende der Veranstaltung, wie zahlreiche andere Besucher auch, interviewt worden. Hier der Link zum Video über die Twitterlesung von der ZEIT Onlineredaktion in welchem ich nun tatsächlich vorkomme. Zielsicher haben die den schlechten Teil (soweit ich mich dessen entsinne) weggeschnitten. Thx a lot folks!

Zugluft

Über Zugfahrten habe ich ja früher schon öfter etwas hier geschrieben und nun gibt es erneut einen Grund über das Reisen mit der Bahn zu berichten. Wobei die Bahn nur den örtlichen Rahmen vorgibt, den Schauplatz gewissermaßen, wobei es nicht gerade viel zu sehen gab.

Schon auf dem Berliner Bahnhof traf ich bei der Suche nach einer geeigneten Zugverbindung in Richtung Heimat mit der gut gekleideten Dame etwa meines Alters zusammen. Wir hatten annähernd den gleichen Weg und so setzte sie sich im Zug dann gleich neben mich. Sie erzählte von Mann und Kindern, vom Urlaub, der Schwester in Berlin undsoweiter. Weitschweifig und lebhaft erzählte sie und untermalte ihre wortreichen Ausführungen mit allerlei Gesten. Ich hingegen tat nur eines, ich machte einen Fehler. Ich atmete.

Die Lady hatte ihre Achselhöhlen offensichtlich in zwei Petrischalen umfunktioniert, in denen sie ein buntes Multikulti Bakterienvölkchen herangezüchtet hatte, welches dort seinem turbulenten Alltag frönte.

In Anbetracht der hohen Außentemperaturen war die Vermehrungsrate der Population dort in rekordverdächtige Höhen enteilt und die Stoffwechselabfallprodukte der Vermehrungsraserei entwichen in gasförmiger Gestalt in meine Nasenlöcher. Dort angekommen war es etwa so, wie wenn in einem 50 stöckigen Hochhaus alle Feuermelder gleichzeitig gedrückt würden. Noch vor dem Einsetzen der Übelkeit wurde ich mit einem seltsamen, flirrenden Gefühl in eine Art Schockstarre versetzt. Angstvoll starrte ich auf die Armbewegungen der Dame, unfähig zu sprechen. Der kühle Luftstrom der Klimaanlage verschluckte dann zeitweise wieder den Abgasstrom aus den Achselhöhlen, bis mich die nächste rudernde Armbewegung zurück in die Paralyse versetzte. Noch mehr Zug im Zug wäre mir diesmal sehr recht gewesen.

Interessierte Fraunhofer- und Max-Planck-Insitute sowie andere Forschungseinrichtungen sollten unbedingt Kontakt aufnehmen, dort ist wirklich mit einem Durchbruch der Forschung bei Mikroben auf feuchtwarmen und lichtgeschützten Körperoberflächen zu rechnen. Bei mir hingegen kam es immerhin schon mal zu einem Durchbruch der Nasenscheidewand.

Schließlich meinte das Schicksal es richtig gut mit mir und übergab das Mikrofon an eine liebreizende, kleine Mitreisende, mit mindestens gleich guter Erzählgabe und klinisch reinen Achselhöhlen…

Twitterlesung, Berlin incl. Nebengeräusche

Nun wissen wir es also. Eine Twitterlesung ist keine Bloglesung und wird nie wie eine solche funktionieren. Es waren ja durchaus Ansätze da, dieses Terrain zu verlassen, aber über das very early Betastadium ist diese Veranstaltung (noch) nicht hinausgekommen. Nur, schlimm ist in meinen Augen was anderes. Hier haben die Veranstalter und Protagonisten sich schon einige Arbeit aufgehalst, um etwas Neues auszuprobieren. Kann man da wirklich enttäuscht sein, wenn es nicht gleich der Riesenknaller wird? Ich denke, das wäre extrem unfair. Zudem wurde mit Tilmann Ramstedt, als diesjährigem Gewinner des Bachmannpreises, ein echtes Highlight gesetzt. Nicht nur wegen Preisträger etc. pp., sondern weil der Herr sich als “(Noch) Nichttwitterer” mit Witz und Esprit auf für ihn unbekanntes Gelände locken lies und dabei mit Bravour bestand. Jedenfalls in meinen Augen. Ich würde es begrüssen, wenn es noch weitere Versuche geben würde. Freche, witzige und hintersinnige Tweets gibt es genug, die Art der Performance muss sich eben noch entwickeln. Vielleicht gibt’s ja zum Trost neue Follower für die Protagonisten, für die das Ganze sicher nicht einfach war. Irgendwie wurde auch ich nach dem Ende der Veranstaltung noch von irgendwem zu Twitter interviewt. Das war nach dem vierten Bier und ich hab’ vermutlich einen Haufen Blödsinn erzählt ;-)

Dann komme ich sozusagen noch zu den “Nebengeräuschen” meines kurzen Berlinaufenthaltes, mehr oder weniger in Stichworten:

Meidet den Bornholmer Hof als Übernachtungsstätte. Haare von der Bettvorgängerin im Schlafgemach zu finden ist extrem unsexy… Keinerlei Kartenzahlung möglich, Frühstück aber o.k.

Neue Schuhe erstmals angezogen und gigantische Blasen gelaufen.

Von einer jungen Dame aus einer Riesenclique angequatscht worden. Junggesellinnenabschied und ich sollte ihr für 1 Euro irgendwas aus ihrem Ramschköfferchen abkaufen. Gab für Männer allerdings nur ein Mini Shampoo oder ein Kondom. Nachdem die junge Lady mein extrem ausuferndes Sexualleben richtig eingeschätzt hat und gleich auf das Gummi-Verfallsdatum im Jahr 2012 hinwies, musste ich quasi das Kondom kaufen. Jetzt fehlt mir nur noch eine Kuriositätenvitrine um derlei Trophäen zuhause auch würdig ausstellen zu können.

Auf der Heimfahrt eine 8 jährige Blondine kennengelernt, die mir sehr vergnügt und kurzweilig von Kindergeburtstag, Ferien auf einer Burg und den Schwierigkeiten Plattdeutsch zu lernen berichtet hat. Letzteres hat mich nicht so sehr verwundert, kommt ihre Mutter doch auch aus München…

Nachtrag: Hier der Artikel in der ZEIT zur Twitterlesung und die Aufzeichnung von HOBNOX. Ebenfalls von HOBNOX gibt es jetzt noch eine kleine Revue von ca. 7 Minuten.

Soul Report

Fast 5 Jahre ist es jetzt her. Damals hast Du mich ausgesetzt. Wie einen unpraktischen Hund zur Ferienzeit an einem Autobahnrastplatz. So fühlte ich mich damit. Die Fragen nach den Gründen blieben unbeantwortet bis zum heutigen Tag. Schriftlich, mündlich, telefonisch, fordernd, bettelnd. Nichts, null.

Nun gut, werde ich damit alt. Oder auch nicht.

Ich lief, ich rannte, ich stockte. Ich war Pluto – wurde vom Planeten zum Mond meiner eigenen Gedanken und Gefühle degradiert. Schließlich flog ich ganz aus der Bahn. Nein, nicht nur deswegen. All die kleinen angeborenen und erworbenen Hässlichkeiten wurden enttarnt, zeigten sich mir plötzlich wie morbide Fackeln in ihrem fahlen, flackernden Licht. Es gab helfende Hände, Wunder und Abgründe. Es kamen andere, die noch kaputter waren als ich und mich erst recht in den Staub zu treten versuchten. Leider bemerkte ich es nicht, aber ich bin ihnen am Ende trotzdem entkommen.

Ich kenne jetzt Dinge von denen ich niemals glaubte sie kennenlernen zu müssen. 15 Wochen Klinik ohne einen einzigen Besuch zum Beispiel. Nein, die Klinik lag nicht in Burkina Faso. Sowas macht hart, glaubt es mir. Dagegen nehmen sich Dinge wie die alten Schulden aus unseren gemeinsamen Tagen oder die Frühpension aus wie ein Witz. Für mein Empfinden jedenfalls. Aber gut, ich kenn’ jetzt meine Pappenheimer wie man so schön sagt. Und vergessen werde ich nicht; das könnt Ihr glatt vergessen.

Lange, frei gestaltbare Tage könnte ich jetzt haben. Wäre da nicht mein fortwährender Kampf gegen Morpheus unerbittlichen Klammergriff, oder die immer noch nicht völlig wieder hergestellte Konzentrationsfähigkeit. Um nur zwei zu nennen.

Wenn ich noch pathetischer wäre, würde ich es Befreiungskrieg nennen. 800 Kilometer weit habe ich mich aufgemacht, um neues Gebiet zu erobern. Es hat nochmals Kraft und Geld gekostet. Na und? Dafür gewinne ich. Die Schatten werden blasser, meine Augen heller und Fackeln brennen nicht ewig.

Und trällert ein fröhlich Liedlein….

Das Liedlein vom Älterwerden, muhaha. This Corrosion in der Fassung der Sisters of Mercy. Einfach zersetzend gut.

Auch als härtere Reanimationsdroge erhältlich von Maryslim feat. Jyrki69 :-)

Der Seher

Beitrag #208 kommt Euch diesmal ganz mystisch…

Seine Mutter war bald nach seiner Geburt gestorben. Geschwister hatte er nicht. So wuchs er mit dem Vater auf. Ein rechtschaffener, fleißiger Mann, der sich sorgte und kümmerte jedoch zugleich ein völlig unterbelichtetes Gefühlsleben aufwies. Technisch war also alles in Ordnung, emotional weniger. Der Vater hatte eine kleine Firma und Bernhard verbrachte die meiste Zeit dort. Es gab lange Jahre eine schrullige Buchhalterin, die aber immer sehr liebevoll zu ihm war und eines Tages nicht mehr aus der Mittagspause zurückkehrte. Der Vater erholte sich augenscheinlich lange nicht davon, die Stelle wurde mit immer neuen Aushilfen oder gar nicht besetzt bis der ganze Laden ins Trudeln geriet. Schließlich wurde diese Aufgabe an einen professionellen Dienstleister übergeben und die Zeiten wurden etwas weniger turbulent.

Schon in der Schulzeit gab es für Bernhard keine Zweifel, dass er einmal die kleine Firma übernehmen würde. So kam es denn auch, aber spätestens mit dem Ende der Pubertät wusste, nein ahnte, Bernhard etwas von einer anderen Seite des Lebens, die ihm fremd war, die er nicht begriff ja ihm sogar Angst machte und die er deshalb lange auszuklammern versuchte. So stürzte er sich also schon während der Lehre im väterlichen Betrieb in die Arbeit, machte bereits lange Überstunden auf den Baustellen, die der Vater auch fürstlich entlohnte, absolvierte anschließend klaglos seine Bundeswehrzeit und kehrte dann als Juniorchef in die Firma zurück.

Aber seine Gabe bzw. sein Fluch holte ihn natürlich ein. Wobei Bernhard nichts von Gabe oder Fluch ahnte, es war lediglich dieses seltsam bestürzende Gefühl, dieses scheinbare Begreifen eines Unbegreifbaren, welches in ihm aufstieg und vage Bilder vor sein geistiges Auge projektierte. Ähnlich wie einige alte, verschrammte Dias übereinander auf eine Leinwand geworfen. Verwaschene Konturen, Unordnung in Raum und Zeit und dennoch das Gefühl, damit solle etwas gesagt werden. Sekundenbruchteile nur, die er so schnell es ging vergaß. Häufig trat das Phänomen zu seiner Erleichterung ohnehin nicht auf, hinterließ es doch jedes Mal einen seltsamen Schauer auf seiner Haut und einen wirklich sehr merkwürdigen Geschmack auf seiner Zunge. Er schluckt es im wahrsten Sinne des Wortes hinunter. Es gab für ihn keinen Weg diese abstrusen Augenblicke in sein Weltbild einzuordnen.

Dann kam der Tag, von welchem an er nichts mehr hinunterschlucken konnte. Ein banaler Morgen, angefüllt mit Weckerklingeln, Kaffee und Dusche. Der Vater war wie gewöhnlich schon in der Firma. Er schlang noch hastig ein Brötchen neben dem Ankleiden hinunter, um ihm zu folgen. Als er die Haustüre öffnete spürte er es sofort. Ein fahlgelber Schein schien unter dem weiten Himmel zu hängen, der sanfte Wind roch nach Angst und eine Bilderkaskade ergoß sich für den Bruchteil eines Augenblicks vor seinem geistigen Auge. Er meinte in dem Gewirr einen Mähdrescher erkannt zu haben, selbst da war er nicht sicher, alles Andere war wie ausgelöscht, dafür breitete sich der ekelhafte Geschmack wie ein Chemieunfall in seinem Mund aus.

Er stockte verunsichert. Die Passanten verhielten sich unauffällig, er prüfte den Himmel, der nun auch ihm wieder freundlich entgegenlachte. Langsam schlich er zu seinem Wagen. Diesmal gelang es ihm nicht den Eindruck so schnell abzuschütteln. Was war das nur? Wurde er etwa verrückt? Letzteres konnte er nicht glauben, denn schließlich war ihm das Phänomen nun schon Jahre bekannt, die Momente in denen es auftrat lagen sehr weit auseinander und er konnte ja auch kritisch darüber nachdenken. Nur diesmal war’s besonders nachdrücklich aufgetreten. Noch während er sinnierte, bekam er auf einen Teil seiner Fragen eine Antwort.

Die Firma lag in einem kleinen, alten Gewerbegebiet am Rande der Stadt und reichte wie ein Finger in die Felder der Nachbargemeinde hinein. Die Kreuzung, an der er von der Bundesstraße in das Gewerbegebiet abzweigen musste, war gesperrt. Natürlich war ein Verkehrschaos entstanden. Es gelang ihm zu wenden und er parkte den Wagen bei einer Tankstelle in der Nähe, deren Pächter er schon lange Jahre kannte. So kam er als Fußgänger zurück und als er sich der Unfallstelle näherte, konnte er Polizei und Rettungswagen ausmachen und zu seiner Bestürzung einen Mähdrescher und den Trümmerhaufen, der einmal der Wagen seines Vaters gewesen war.

Anti Regen Posting. Oder so…

:-)

:-)

Formierung des inneren Widerstandes gegen kalt, grau, Regen

- trotzdem lächeln, notfalls schlafen, kaffee, schokolade, musik, lesen, twittern, telefonieren, wochenendzeitung auswendig lernen, fenster zu, kochen, baden -

Dreckstag Schlagzeilen

  • Die Nachricht von einer sehr, sehr schweren Krebserkrankung im Freundeskreis.
  • Der Arzt meint, er kann sich nicht vorstellen, dass ich aufgrund meines Alters und meiner Lebensgeschichte nochmal völlig geheilt werde von den Depressionen.
  • Eine Freundin wird hinterrücks von Ihrer kaputten Familie enterbt und zur Krönung auch noch blöd angemacht.
  • Es ist Hochsommer bei ganzen 14° incl. Dauerregen.

Getwitter rekapituliert

Man mag davon halten was man will, ich selbst habe für mich entschieden erst nach dem Ende der Veranstaltung eine Meinung darüber zu haben und nicht schon im Vorfeld. Obwohl das nicht ganz modern ist, womöglich. Jedenfalls bin ich dabei, bei der ersten Twitterlesung im Berlin dieser Tage und es ist mir ganz egal, ob das die erste derartige Lesung in good old Germany oder weltweit ist. Neben dem Wiedersehen mit dem ein oder anderen Blogschreiberling(ine), ist es für mich spannend zu sehen wie die Aufführung von X SMS (was Anderes ist es nicht) dramaturgisch umgesetzt wird. Da ist Vieles vorstellbar, mir fallen blöderweise selbst nur Wege ein, wie ich es nicht machen würde. Also spannend allemal det Janze.

Zudem gibt es natürlich Gelegenheit Freundschaften zu pflegen und den “Fährverkehr zwischen den Inseln” auszubauen. Eingeweihte Kreise wissen wovon ich spreche ;-)

Rettungsanker Haiti
Eine Aktion von Spreeblick nach einer Idee von Mayers Notizblog
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04407 - 714144

Bei Kaltakquise oder blöden Gewinnspielen lege ich einfach auf oder sag's dem Anwalt :-)

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