Archiv für September 2007

Mayer’s little Helper

Eine nicht wirklich witzige Geschichte. Titel in Abwandlung von Mother’s little Helper (Rolling Stones).

Heute muss ich aus der Klinik berichten, genauer gesagt über mein Befinden an einem aussergewöhnlichen Tag der vergangenen Woche.

Niemals in meinem Leben hatte ich Schlafstörungen, wirklich nie. Das hat sich erst im Krankenhaus geändert, vermutlich deswegen, weil man mir am Anfang ein Medikament verabreicht hat, welches nach dem Absetzen solche Schlafstörungen zur Folge haben kann. Also bekam ich ein paar Tage ein normales Schlafmittel. Das wollte ich nicht ewig nehmen, also hat man mir ein anderes Tablettchen verabreicht. Diese blassgelbe, unscheinbare Tablette nahm ich gegen 21:30 ein und rund eine halbe Stunde danach zog’s mir die Beine weg. Ich ruhte in meiner Liegestatt wie eine massive Bleiplatte, die Augen wurden mir zugedrückt und ich war im Reich der Träume. So weit so gut. Spannend war der nächste Tag. Als wir um sieben Uhr aufgeweckt wurden brauchte ich ungefähr eine Minute, um mich aus den Traumländereien zusammenzusammeln. Dann sagte eine fremde Stimme in mir zu meinem Zimmergenossen wie aus dem Nichts: “Heute darfst Du mich nicht ernst nehmen!” Eine mir bislang unbekannte Kraft trug mich ins Bad, putzte meine Zähne und duschte mich. Dann brachte er/sie/es mich zum Frühstück. Ich nahm es wortlos zu mir, dann wurde ich von “Der Kraft” zurück ins Bett verfrachtet. Gegen 10 Uhr erwachte ich erneut.

Exkurs:

Am Freitag der Woche davor hatte ich das Personal darauf hingewiesen, dass meine Krankschreibung abgelaufen war und ich für den Brötchengeber eine Verlängerung benötigen würde. Seither hatte ich noch zwei Mal hatte ich in dieser Angelegenheit nachgebohrt – ohne Erfolg. Am Vortag hatte ich den benötigten Schein endlich in die Hand gedrückt bekommen, bei der Durchsicht hatte sich jedoch herausgestellt, dass Datumsangaben fehlten oder falsch waren. Also hatte ich die Krankschreibung mit der Bitte um Korrektur wieder abgegeben.

“Die Kraft” war stärker jetzt, mein Körper hingegen fühlte sich taub und fremd an; wie ein bloßer Anhang am Stammhirn. Etwas erinnerte mich an die seit fünf Tagen überfällige Krankmeldung und deren notwendige Korrektur. Heisser Zorn brandete in mir auf wie eine Tsunamiflutwelle. “Die Kraft” riss mich aus der Koje empor und wuchtete meine mittlerweile 95 Kilo auf 1,87 verteilt unter den Metallrahmen der gläsernen Tür des Stationsbüros. Mit leiser, eindringlicher Stimme sprach jemand aus mir wie es denn um die Krankmeldung stünde. Die Antwort war unbefriedigend. Mein tauber Körper füllte seine Lungen mit Luft und begann das anwesende Personal mit 120 Dezibel zusammenzuscheissen. Das zustimmende Grinsen einiger Mitpatienten im Aufenthaltsraum hinter mir wurde mir wie durch einen Rückspiegel gezeigt. Ich erfuhr, dass eine Stationsärztin den verhunzten Lappen zu korrigieren hätte und “Die Kraft” trug mich bis vor ihre Bürotüre, welche keine ordentliche Klinke, sondern einen niederträchtigen Knauf aufwies. Das Greifwerkzeug, das einmal meine rechte Hand gewesen war ballte sich zur Faust und krachte gegen die Türe, die alsbald von einer erschreckten, jungen Frau im weissen Kittel geöffnet wurde. “Die Stimme” in mir wechselte in ein zynisches Alt und tauchte Frau Doktor in ein Bad säuselnd vorgetragener Grobheiten. Mit zittriger Hand übermalte sie daraufhin das falsche Verlängerungsdatum, führte aber auch aus, dass sie das fehlende Beginndatum nicht eintragen könne, weil sie meine Patientenakte im Moment nicht zur Verfügung hätte. “Der Greifer” riss ihr den Zettel aus der Hand und “Die Kraft” trug mich zurück zum Stationsbüro. Die Glastüre war jetzt geschlossen, drinnen erblickten die leblosen Kameraaugen im meinem Kopf die traurigen Schergen. “Der Greifer” behandelte die Tür in bewährter Manier. Ein devoter Pfleger öffnete und nahm die gebrüllten Befehle “Der Stimme” entgegen. Schliesslich trug “Die Kraft” mich noch zu einem Sessel im Aufenthaltsraum, legte mich dort ab und verschwand allmählich. “Die Stimme” maulte und schimpfte noch eine Weile weiter. Irgenwann kam der Schlaf zurück und als ich erwachte, begann ich langsam die Übermacht über meinen Körper zurückzugewinnen. Eine blassgelbe, unscheinbare Pille wurde mir seither nicht mehr verabreicht. Das ist gut so.

Rettungsanker Haiti
Eine Aktion von Spreeblick nach einer Idee von Mayers Notizblog
Kontakt

post@mayers-notizblog.de

04407 - 714144

Bei Kaltakquise oder blöden Gewinnspielen lege ich einfach auf oder sag's dem Anwalt :-)

Gute Ideen
Global Voices
Reklame
Neueste Statements
Auch zu finden bei:
re:publica 10

Kamimaro - Fotos von Michael und Karin

Blogverzeichnis - Blog Verzeichnis bloggerei.de

blogoscoop

Klingelbeutel
Who's Online
  • 0 Members.
  • 5 Guests.
  • Insgesamt 143428 Besucher auf MN