Archiv für Juli 2007
Alles recht?
Szene im Bordrestaurant eines ICE.
Einen Becher Kaffee hatte ich gehabt, zusammen mit einem Stück von diesem nicht ganz schlechten Industriebutterkuchen, den sie immer etwas anwärmen in der Bordküche bevor Sie ihn servieren. Der Bedienung hatte ich meinen Zahlungswunsch signalisiert und nun kam sie herbeigeeilt.
“War Alles recht bei Ihnen?”
Damit hatte sie in diesem Kontext den Knopf mit der Aufschrift “Metaphysik” bei mir gedrückt. ALLES, dachte ich. Das klang final. ALLES konnte sich keinesfalls auf einen Kaffe mit Kuchen, zusammen im Sonderangebot beziehen. Meinte sie womöglich, ob ALLES recht war was mir heute im Leben begegnet war? Das war dem Anschein noch schon so, aber wenn ich genau nachgebohrt hätte…. Oder bezog sich ALLES sogar auf noch grössere Zeiträume, Beziehungsgeflechte, auf das ganze Leben? Insbesondere meine Beziehung zur Deutschen Bahn? Ich war in einer heiteren Stimmung in der die Verwendung des Wortes ALLES wie aus dem NICHTS heraus brandgefährlich wurde. Ich spürte wie sich ein schiefes Lächeln auf meinem Gesicht ausbreitete wie ein Waldbrand in Kalifornien.
“Was war ALLES recht?” krächzte ich.
“Nu ja, Alles eben.”
“Was soll ALLES sein? Wissen Sie was mir da für eine Frage stellen?” Ich weis es war fies, aber ihre Gesichtszüge entgleisten idealtypisch wie sich das für eine Mitarbeiterin der Deutschen Bahn gehört.
“Sie hatten doch nur Kaffee und ein Stück Butterkuchen????” fragte das Fräulein verzweifelt nach und rang gleichzeitig um die notwendige Contenance, wie man es ihr auf den Schulungslehrgängen für das Bahnpersonal eingetrichtert hatte. Mir war klar, dass es hoffnungslos war.
“Macht vierachzich – ich weis. Stimmt so” strahlte ich sie an und drückte ihr fünffuffzich in die Hand.
Ein Sommerloch…

… kann auch so aussehen
Ich wünsche allen Lesern eine gute Zeit und ebenfalls schöne Sommerferien.
Kotzkrampf.de
So einen Scheißdreck habe ich heute per Mail bekommen:
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Von: ss [at] dew [dot] de
ss schreibt:
ss
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Website: ss
IP: 89.245.75.129″
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Die Blöden sterben wohl nie aus. Vielleicht will sich Versatel (dazu gehört die IP) von solchen Kunden doch verabschieden. Und die Dortmunder Energie- und Wasserwerke habe ich auch informiert. Eine von deren Webadressen wurde nämlich missbraucht.
Das Postulat vom Dienstag
1 oder 0, schwarz oder weiss, gut oder böse, lebendig oder tot. Das sind Dogmen unseres Alltags, wir Menschen haben’s überwiegend gerne recht einfach. Die Welt ist determiniert, das gibt Sicherheit. Wenn wir die Welt so begreifen, können wir uns bequem in ihr zurechtfinden. Allerdings geben wir uns dann einem Trugschluss hin, der uns auch gewisser Chancen beraubt.
Die Quantenphysik lehrt uns, dass sich Teilchen wie Wellen und Wellen wie Teilchen verhalten können. Dieses Verhalten wird Unschärfe oder Unbestimmtheit genannt. Die Welt und alles was in ihr ist, entspricht somit nicht vollständig unserer Wahrnehmung von ihr, da wir zum Beispiel zu lernen haben, dass es Materie im landläufigen Sinne gar nicht gibt. Laut Professor Dürr existieren statt dessen Beziehungsgefüge und beständiger Wandel. Ausdruck einer Lebendigkeit die sich auf einer kosmischen Konstante, genannt Geist oder puristischer Information, aufbaut. Das heisst der primäre Stoff des gesamten Daseins ist der Geist, als “Spätfolge” sekundiert auf etwas wackeligen Beinen von Materie und Energie. Wenn also nichts so ist wie es uns scheint, selbst die Tasttatur hier nur ein instabiler Teilchenhaufen ist, dessen exclusive Mitglieder sich - vom Geist getrieben – für einige Jahre bereit erklärt haben, hienieden für diesen Zweck in der Geschichte des Kosmos zur Verfügung zu stehen, was ziehen wir dann für Schlussfolgerungen?
Ich meine Folgendes:
- Computer müssen mehr können als 0 oder 1. So alles dazwischen.
- Gut, dass es Farben gibt.
- Es gibt auch “etwas böse” und “ganz schön gut”.
- Zwischen tot und lebendig ist mindestens noch Platz für halbtot.
- Und das Alles sowohl als auch.
Aber hallo!
Und warum? Schluss mit den einfachen Wahrheiten. Die einfachen Wahrheiten sind nur für gescheiterte Versicherungsvertreter, schmierige Gebrauchtwagenhändler, Kredithaie, Volksverhetzer und gehirnamputierte Abgeordnete jeder Couleur erfunden worden. Vom wem? Vom “Geist” natürlich. Warum? Versuch und Irrtum sind erlaubt. Und alles dazwischen ebenso. Aufhören damit ist auch erlaubt. Ende jetzt. So.
Und morgen gibt’s vielleicht schon dazu eine kleine Betrachtung über den völligst determinierten Bundesinnenminister…
Wiedersehen
Vor einiger Zeit hatte ich über mein Projekt schon einmal berichtet. Letzten Samstag war es dann soweit. Die Menschen die mit mir den Sandkasten und / oder die Pubertätswirren bis hinein ins junge Erwachsenenalter geteilt hatten strömten zahlreich herbei. Genau gezählt hab’ ich nicht, aber 30 oder mehr werden’s schon gewesen sein. Viele hatten sich seit einem Viertel Jahrhundert nicht mehr gesehen und doch sofort oder nach nur kurzem Innehalten wiedererkannt. Andere mussten ihren Namen erst nennen und ich blieb doch fassungslos, dass dieser Mensch jetzt “so” aussieht. Wobei das weder positiv noch negativ gemeint ist, sondern sich einfach auf das enorme Ausmaß der Veränderung bezieht.
Man begrüsst und beschnuppert sich also, geht eine Runde durch die heiligen Ursprungsgründe der eigenen Geschichte, findet längst verlorene Fäden wieder um daran anzuknüpfen. Aus dem Dunkel tauchen Bilder und Geschichten auf, die sich zu mehren beginnen, noch lange hinein in die Tage nach dem “Revival”. Oder wie es ein anderer Teilnehmer in einer Mail ausdrückt: “Vor allem danach, so gestern und heute haben sich noch Erinnerungen eingestellt für die selbst im Morphium aufgepumpten Tagtraum keine Bilder mehr herzubringen gewesen wären.” Treffender kann man es nicht sagen.
Sagenhaft auch: Die altbekannte Gruppendynamik funktioniert so, als ob man sich vor einer Woche das letzte Mal gesehen hätte; an den Biertischen finden sich alsbald die Grüppchen zusammen wie sie sich wohl auch 1980 zusammengetan hätten. Obwohl so Mancher inzwischen mächtiges Leid erfahren musste und Andere sich durchaus als Glückspilz bezeichen lassen dürfen. All dies hat an der “Grundchemie” der Teilnehmer zueinander scheinbar nur sehr wenig verändern können.
Es hat enorm Spass gemacht und obwohl es im Vorfeld ziemlich viel Arbeit war, hab ich mir selber damit auch ein ganz grosses Geschenk gemacht. Wiederholung nicht ausgeschlossen.
Auswanderer

Für einen tollen Ruhestand zusammen mit George in den Sümpfen Floridas!
Danke Amerika!
Danke Dataloo für die Schäublone!
07.07.07
Da ist nicht viel zu sagen heute. Nur: “Werdet Teil der Lösung!”
http://www.liveearth.org/international/home_de.html
http://www.liveearthpledge.org/de.php
Danke
Arme Sau
Möchten Sie “Rosa Brühschwein” heissen? Wohl eher nicht… Auf dem Münchner Waldfriedhof findet sich eine Grabstelle für einen Menschen dieses Namens. Und wie hätten die Kinder von Rosa Brühschwein geheissen? Genau – Rosa Brühferkel…. Ich kann nicht verstehen, warum die Frau nicht geheiratet hat. Ich kenn’ zum Beispiel jemand namens Würfel. Zusammen wären sie dann die Brühwürfel gewesen. Fragen Sie micht nicht wie jetzt noch die Suppe ins Spiel kommt. Sonst verbrüh’ ich mir die Finger…
Cicero?
Seit einiger Zeit gibt’s im Zeitungsladen eine Illustrierte mit dem Bemühen sich um die politische Kultur zu sorgen. Der Name des Blattes ist Cicero, was jetzt entweder dem Entertainer Roger Cicero oder dem römischen Redner Marcus Tullius Cicero gewidmet sein könnte. Gehen wir also mal von Letzterem aus.
Nun ist es so, dass jener Cicero, sich sowohl als Anwalt wie auch als redlicher Steuerverwalter in Sizilien und natürlich als hervorragender Debattenredner im Rom jener Tage einen Namen in der Geschichte des Imperium Romanum gemacht hat. Dabei darf man nicht übersehen, dass seine politische Laufbahn keineswegs an einer politischen Grundströmung – heute würde man Partei sagen – orientiert war. Ganz im Gegenteil; er schwankte, jeweils nach persönlicher Interessenlage, munter zwischen einer Anhänglichkeit für die Demokraten und einer für die Aristokratie. Seine politischen Wechselspiele kosteten ihm schliesslich in der Ägide des zweiten römischen Triumvirats das Leben.
Diese Zeitschrift will also jenem Cicero nacheifern? Seine Redefertigkeit erlangen? Oder in allen Lagern zuhause sein? Wie die Geschichte mit allen Lagern endet kann man gleich oben nachlesen, oder, wer es ausführlicher möchte, bei Reklam gibt’s die berühmten gelben Heftchen mit den übersetzten Schriften der römischen Geschichtsschreiber. Die nur lieblos kaschierte, neoliberale Grundhaltung des Springerblattes schliesst ein Mäandern zwischen den Lagern aber eigentlich von vorneherein aus. Was für mich übrig bleibt ist eine Lobbyistenpostille mit pseudointellektuellem Anstrich, die aufpassen muss nicht dem Cäsarenwahnsinn zu verfallen. Vielleicht sollte man sich also doch mehr dem Thema Redegewandtheit zuwenden. Rein technisch ist deren Schreibe nicht schlecht. Das wäre doch eine Herausforderung? Schadlos, inhaltslos, redegewandt…..
Projektarbeiten…
In den letzten Monaten hab’ ich so nebenbei ein ziemlich spannendes Projekt betrieben. Inspiriert von Seiten wie Stayfriends und Ähnlichem bin ich daran gegangen die Leute, die mit mir den Sandkasten und später das Dasein als Pubertätskrümel geteilt hatten, wiederzufinden. Angefangen habe ich übrigens mit den Adressen von 3 Leuten, zu denen ich über all die Jahre Kontakt gehalten hatte.
Mittlerweile sind ein paar Monate durchs Land gegangen und kommemden Samstag ist es jetzt soweit. Bis zum heutigen Tag stehen 26 Menschen auf der Liste die kommen werden. Insgesamt auf der “Fahndungsliste” finden sich jetzt am Ende sogar um die 80 Namen. Das zeigt schon wie kinderreich die Zeiten in den sechziger Jahren waren. Immerhin geht es hier nur um drei Wohnblocks.
Natürlich wurden längst nicht alle wiederentdeckt, aber es haben sich schon erstaunliche Spuren aufgetan. So sind die meisten Ex-Daumenlutscher doch in Oberbayern verblieben. Ausreisser gibt es natürlich auch; nach Viersen und Wien beispielsweise. Eine der Ladies lebte zwischenzeitlich etliche Jahre in Oregon. Und auch einen Sterbefall gibt es leider zu beklagen.
Mann – bin ich gespannt auf Samstag, auf die Menschen und ihre Geschichten!


