Archiv für Mai 2007
Abgemahnt und abserviert
Wer kennt sie nicht, die Geschichte von Moni die wegen eines Eintrages in ihrem Blog Gedankenträger von Transparency International Deutschland abgemahnt wurde. Oder jene von Rainer Kohnen der wegen angeblicher Urheberrechtsverletzungen gegen Media Markt hätte prozessieren müssen, um seine Meinung weiter äußern zu dürfen. Obwohl er wohl mit wehenden Fahnen gewonnen hätte, zog er es vor zu schweigen. Kein Wunder! Welcher Privatmann möchte schon gerne zwei, drei Jahre schlaflose Nächte verbringen bis ein Gericht entscheidet, wer Recht bekommt? Bei Unternehmen wie dem Media Markt zittert hingegen niemand auch wenn die Aussichten mehr als dürftig sind. Man könnte sich eine Rechtsschutzversicherung zulegen, wenn es denn eine gäbe, die für Blogs einstünde. Gibt es aber nicht.
Einerseits soll man als Blogschreiber völlig sinnlose Auflagen erfüllen, wie etwa ein Impressum zu führen oder eine Datenschutzerklärung abzugeben. Alle Pflichten eines Presseorgans soll man möglichst wahrnehmen. Auf die Rechte darf man aber gerne verzichten. Wenn Sie von einem Unternehmen eine Auskunft wünschen, müssen Sie schon froh sein, wenn Ihnen jemand auch nur schreibt, sie sollen halt mal unter 09001234567 die Hotline anrufen, aber doch bitte sehr die Pressestelle nicht weiter behelligen.
Wenn Sie das alles so gut und richtig finden, brauchen wir nicht weiter darüber zu reden und Sie können hier aufhören zu lesen.
Vielleicht möchten Sie sich aber wehren, wenn ihnen ein dubioser Abmahnverein oder ein kritikunfähiges Großunternehmen ans Bein pinkeln will. Das können Sie gar nicht, werden Sie sich vielleicht schon einmal gedacht haben. Stimmt. Und warum nicht? Weil sie eine einzelne Privatperson sind, ein leichtes Opfer.
Da gibt es nur einen vernünftigen Ausweg: Eine Interessenvertretung. Nicht ein spießiger Verein der sich der Hege und Aufzucht panasiatischer Kunststoffgartenzwerge verschrieben hat, sondern ein Zusammenschluß von unabhängigen Blog- und Internetschreiberlingen, die keine Lust haben sich den Mund verbieten zu lassen. Eine Organisation die Versicherer dazu bewegen kann nicht nur überhaupt einen, sondern gar einen vernünftigen Rechtsschutz anzubieten. Eine Lobby die das Recht auf freie Meinungsäußerung verteidigt.
Der Sunny alias Fellow Passenger ist der aktive Partner bei diesem Projekt. Im Hintergrund gibt es noch 3-4 weitere Personen, die zumindest ihr ernsthaftes Interesse bekundet haben. Dazu kommt eine interessante Mail aus Kassel, in der erfreulicherweise auch der Wille zur aktiven Unterstützung angekündigt wird.
Wenn Sie, wie ich, das Vereinswesen so scheuen wie der Teufel das Weihwasser darf ich Sie beruhigen. Es genügt vollauf, sich einmal im Jahr gemeinsam in einem gepflegten Wirtshaus einzufinden und aufzuschreiben, wer alles dabei war, der Rest geht auch per E-Mail oder Wiki. Schreiben Sie doch einfach mal einen Terminvorschlag in das VUWA-Wiki oder einen Ihnen genehmen Treffpunkt.
Nun ist es raus…
Sunny und Michael bei SPON. Einzelheiten über den “VUWA” (Arbeitstitel – Verband unabhängiger Weblog Autoren) auf unseren Seiten im Lauf der kommenden Woche. Danke an Udo Vetter für die Herstellung des Kontakts. Schönes Wochenende allerseits!
In 20 Minuten!
Mittwoch Abend, wie immer, Ruffini nach dem Sport. Diesmal waren wir zu fünft und der W. erzählt gerade von einer seiner letzten Auktionen, die u. a. eine seltene, afrikanische Fetischfigur beinhaltete, in gutem Zustand. Die Knöchelchen der Ahnen waren noch darin enthalten und zwei kultige Löffel gehörten grossartigerweise auch dazu. Eine solche Figur gibt es anscheinend nur noch vier Mal auf der ganzen Welt und so waren auch renommierte Afrikasammler und Experten bei der Auktion zugegen. Das gute Stück hat für einige hunderttausend Euronen den Besitzer gewechselt! Während der W. noch berichtet tritt eine rot kostümierte Dame an unseren Tisch, deutet mit dem Zeigefinger auf den W. und sagt in ultimativem Tonfall “Noch 20 Minuten!”. Daraufhin verschwand sie so schnell wie sie gekommen war. Wir witzelten noch ein wenig über den ominösen Zwischfall und unterhielten uns weiter.
Vermutlich waren noch gar keine 20 Minuten vergangen als die Lady zurückkehrte. Es stellte sich schnell heraus, dass sie sturzbetrunken war. Sie drückte sich auf der Bank neben mich und stellte kurzerhand fest, dass wir alle perverse Schweine sind. Gerade deshalb schienen wir ihr wohl auch wirklich geeignet mit ihr etwas ganz Grosses aufzuziehen. Etwas richtig GEILES wie sie sich ausdrückte, etwas über das die ganze Welt spricht. Für den Anfang schien ihr die Ausrottung der Malaria sehr geeignet, danach könne man weitersehen. Wir versprachen ihr mitzumachen, worauf wir alle abgeklatscht wurden wie wenn wir einen Elfer versenkt hätten. Danach erklärte sie uns überraschenderweise sie sei sturzbetrunken. Wir widersprachen nicht und sie war für 2 Sekunden beleidigt. Jetzt folgte die Erläuterung, dass es nichts ausmachen würde, wenn sie jetzt betrunken sei, man würde das zwar leider an der Sprache feststellen, aber im Kopf sei sie ganz klar und das mit der Malaria und den anderen geilen Sachen, das würden wir schon machen. Wirklich! Ausserdem hätte sie heute dringend trinken müssen, weil die Tochter das Übertrittszeugnis fürs Gymnasium bekommen hätte. Die Lernerei davor sei eine gewaltge Schinderei gewesen. Dann kamnen wieder die geilen Sachen dran, ein bischen beleidigt sein, Jubel, Abklatschen und irgendwie fand sie auch den W. immer noch ein wenig toller. Der sass rechts von mir, sie links und hing immer mehr über mich drüber, weil sie dem W. gerne ein wenig nah sein wollte.
Ich fing an mich ein bischen zu langweilen oder genervt zu fühlen und ging mal für Königstiger. Auf dem Rückweg sah ich glücklicherweise die Helga an einem der anderen Tische sitzen und gesellte mich ein Weilchen zu ihr. Eine wunderbare Auszeit von der Lady in Red.
Als ich schliesslich an den Sportlertisch zurückkehrte war zu meinem Erstaunen der Ehegatte des betrunkenen Energiebündels eingetroffen. Mein Erstaunen wuchs noch, als er die Geschichte mit dem gymnasialen Übertrittszeugnis bestätigte. Kurze Zeit später bugsierte er schliesslich die holde Gemahlin nach Hause.
Wir diskutierten noch eine Weile über diesen Abend und unser Fazit fiel eindeutig aus: Der W. darf nicht mehr mit afrikanischen Fetischpuppen spielen. Er kann das einfach nicht mit den Ahnenknöchelchen und ruft damit nur die seltsamsten Geister. Wer weis schon was beim nächsten Mal passieren würde?
Trinkgewohnheiten
Bosch macht Urlaubsvertretung bei Jovel und wirft ein Stöckchen über’n Zaun. Es geht dabei um nicht weniger als die lebensentscheidende Frage “Was wollen wir trinken?”. Da muss ich meine Chance nutzen und meinen Geschmack hinauspoaunen in diese Welt, dann gibt’s keine faulen Ausreden mehr, wenn man mich einlädt und die falschen Getränke auf dem Tisch stehen
1.) Morgens?
Kaffee, schwarz + 2 Zucker.
2.) Mittags?
Stilles Wasser.
3.) Abends?
Stilles Wasser, Afri Cola, im Sommer ein Helles, im Winter einen Roten.
4.) Sport?
Stilles Wasser. Nach dem Sport dann erstmal 2 grosse Apfelschorle.
5.) Bester Longdrink?
Cuba libre mit schönen, frischen Limetten.
6.) Bestes Bier?
Hacker-Pschorr - ANNO 1417, naturtrübes Kellerbier in der Bügelverschlussflasche.
7.) Bester Wodka?
Pfui deibel!
8.) Cocktailtime?
Longdrinks reichen, Cocktails brauch’ ich nicht.
9.) Bestes Wässerchen?
Volvic
10.) Essen gehen?
Warum soll ich noch essen gehen, wenn ich schon was zu trinken habe?. Nee im Ernst: Je nach Speise Bier oder Rotwein oder Wasser oder Cola.
11.) Mäcces?
Was ist das?
12.) Sterbebett?
Schwarzer Tee, Gin oder Pflaumensaft würde mein Ableben beschleunigen – würg.
13.) Rot oder Weiß?
Rot, ausschliesslich. Derzeit sehr gerne einen Torrevento Vigna Pedale Riserva 2001.
Ich werfe das Stöckchen einfach mal über die Schulter und warte ob’s einer auffängt….
Sauer auf Süssgras
Bambus zählt man zur Familie der Süssgräser. Viele Jahre bevor die Liebste den Liebsten kennenlernte pflanzte Sie gleich 5 Sorten der verholzenden Grasvariante ins eigene Gartengrundstück. Was anfänglich als schnellwachsender Sichtschutz geplant war, wuchs sich mittlerweile zu einer mittelschweren Katastrophe aus. Zwei Abholzaktionen und drei abgebrochene Spaten später hat sich der Liebste nun soweit im Griff, dass er weitgehend ohne Schaum vorm Maul über die Bambusbändigung sprechen kann.
So kurz die Wachstumsperiode auch ausfallen mag – Mitte Juni ist üblicherweise Finale – so heftig verläuft sie auch. Das Wurzelwerk hatte sich nicht nur zwischen anderen Sträuchern massiv verbreitet, sondern drängte weit verzweigend unter dem Rasen vorwärts und so etwa ab April konnte man die Bescherung in Form über Nacht gewachsener “Spargelspitzen” bestaunen. Ein Wachstum von 1,5 Höhenmetern in zwei Tagen war keine Seltenheit. Wurde das “Zeuch” in früheren Jahren einfach weggeschitten oder gar mit dem Rasenmäher plattgemacht, so musste der Katastrophe nun mit anderen Mitteln Einhalt geboten werden.
Es gibt erstens Nachbarn, die not very amused wären, würde das fernöstliche Kraut ungezügelt über deren Grundstücksgrenzen wuchern und zweitens wird das Anwesen demnächst vermietet und wir wollten die seelische und körperliche Gesundheit der einziehenden Familie keinesfalls gefährden…
So haben wir vor einigen Wochen ein paar lange Gräben ausgehoben, um nachträglich mit Teichfolie eine Rhizomsperre einzuarbeiten. Eine Schweinearbeit, die drei Spaten das Leben gekostet hat, denn da wo die Wurzeln im Weg waren durften wir lernen was Widerstand heisst. Danach waren wir erstmal platt und der Teil 2, das Entfernen des ausgeuferten Wurzelwerks, wurde erstmal aufgeschoben. Am letzten Samstag war es dann soweit und ich beschloss erstmal den Umtrieben des schwarzen Bambus Herr zu werden. Wenn schwarz für Tod und Verderben steht, dann bei jenem Vetreter des Pflanzenreichs. Der Schweiss perlte munter von der Stirn und meine Laune wurde im Minutentakt schlechter. Ich brauchte etwa 2 Stunden um geschätzte 8 Meter von dem Mist aus der Erde zu popeln. Allerdings erkannte unsere Hündin Fanny den Ernst meines Gemütszustandes und buddelte mit was die Pfoten hergaben. Die Krönung war schliesslich, dass sie sich, als ich wie ein Berserker an einem Strangende anzog, neben meinen Händen an der Wurzel festbiss und mitzog. Bei soviel tätiger Mithilfe kann die Laune einfach nicht schlecht bleiben. Sie ist einfach klasse!
Dank einer prächtigen Wasserblase an meinen degenerierten Bürofingerchen lies ich’s danach für dieses Wochenende gut sein und hab’ nun noch 6-8 Wurzelstränge vor mir. Allerdings nur noch einen vom schwarzen Bambus, der Rest dürfte etwas leichter gehen. “Halt Dich fit Fanny, am nächsten Samstag geht’s weiter!”
Kurze Zwischenmeldung
1. Habe auf WP 2.2 upgedated oder geupdated, wieauchimmer. Jedenfalls geht der Editor nicht mehr und ich brauche gleich mein Beissholz.
2. Im Garten in Bremen wächst der Bambus – also mein Beissholz – munter vor sich hin. Ich HASSE dieses Scheisszeug. Dazu in Kürze mehr, sobald sich’s der Editor wieder überlegt hat. Knurr…
Sauber getäuscht
Heute am frühen Abend in der Strassenbahn. Gerade hatte ich Platz genommen, da zwängte sich eine ältere Dame auf den Sitz neben mir und fragte mich zaghaft, ob die Tram denn auch wirklich zum Schloss Nymphenburg fahren würde. Ich bejahte und dachte mir im Stillen ihr Bescheid zu geben, dass es nach meinem Ausstiegspunkt schon die nächste Haltestelle wäre, sobald wir dort waren. Sie wirkte irgendwie gebrechlich und omahaft auf mich. Kurz darauf fing sie an in ihrer Tasche zu kramen und beförderte einen Stapel Papiere zu Tage. Ich konnte einen Blick auf das Deckblatt erheischen und darauf stand doch tatsächlich geschrieben: “The evaluation process of german telecommunication companies.” Die “Oma” hätte mir wohl ganz nett was erzählen können…. Ich hab’ ihr dann trotzdem gesagt wo sie raus muss.
Liese von Gliese
Liese lag langgelümmelt auf ihrer Chaiselonge und räkelte sich gemütlich vor den Televisionsmonitoren, die seit gut 560 Jahren diese seltsamen Bilder jenes nicht allzu fernen Planeten ausstrahlten. Liese war schon ganz schön betagt und auf ihre alten Tage hatte sie einen grossen Spass an den Episoden derer, die sich selbst als “Menschen” bezeichneten. Niemand, auch nicht die anerkanntesten Wissenschaftler auf ihrer Welt hatten auch nur die geringste Ahnung was dieses bunte Gewusel auf dem Monitor zu bedeuten hatte. Bunt war es übrigens erst seit kurzer Zeit. Ohne Vorwarnung waren die grauen Grieselbilder nach und nach farbig geworden.
Und es war einfach urkomisch anzusehen. Schon alleine der Umstand, dass diese grotesken Menschen und wohl auch die meisten anderen Lebewesen auf diesem Planeten nach allgemeiner Überzeugung nur zwei Geschlechter hatten, machte die Sache umwerfend lustig. Es gab ein Wesen, das kam aus einer Art Blumenvase als Rauch und verwandelte sich dann. Sie diente irgendeinem Trottel, soweit man das deuten konnte. Ausserdem gab es Sequenzen mit Wesen, die wohl so taten als würden sie in den Weltraum fliegen, ernste Wesen, die von einem Zettel ablasen, andere standen vor endloslangen Schnüren, an denen Stofflappen aufgereiht waren, allerlei Getier über und unter Wasser, Bomben, die alles anzündeten, zierlichere von den Wesen, die sich Pflanzen auf eine Art Helm steckten und mit Waffen durchs Gestrüpp rannten. So ging es endlos weiter. Es wurde immer mehr, so viele Monitore konnnte sie gar nicht mehr im Auge behalten. Aber es war köstlich, einfach köstlich.
Nur hoffte Liese, dass die Wesen nicht auch eines Tages umgekehrt von der Existenz ihres Planeten und seiner Bewohner Kenntnis bekamen. Womöglich würden sie sich genauso lustig machen? Vielleicht würde sie sogar hierher kommen wollen? Die Vorstellung erschreckte Liese. Es war schon ganz schön weit, aber irgendwie wirkten diese Wesen für Liese auch aufdringlich. Sie vermochte nicht zu sagen warum, aber ihr war es lieber nur die Monitore anzusehen und sich amüsiert auf ihrer Chaiselonge zu wälzen.


