Archiv für Januar 2007

Die Tücke der mündlichen “Überlieferung”

Letzten Samstag bin ich live dabei gewesen, bei den ersten Zuckungen einer Kette von Weitererzählungen die sich rasend schnell in irgendeinen Unsinn verwandelte. Also von vorne: M. braucht Knete, daher gehen wir in eine Sparkassenzweigstelle am Sendlinger Tor Platz. Es gibt dort zwei Geldautomaten. Der rechte Apparillo funktioniert, an ihm hat sich eine kleine Warteschlange gebildet. Am Linken steht eine jüngere Frau, die uns leicht verzweifelt anblickt. In gebrochenem Deutsch erklärt sie, der Auszahlungsvorgang habe ganz normal begonnen, aber statt des Geldes sei nur die Karte wieder herausgekommen. Sie habe den Eindruck, dass vielleicht etwas mit dem Geldausgabeschacht nicht in Ordnung sei. Wir halfen ihr die Telefonnummer zu finden, die für solche Fälle immer irgendwo in der Nähe oder auf dem Automaten angebracht ist.

Die Warteschlange war inzwischen durch einige Neumitglieder ergänzt, denn ganz vorne fehlten mittlerweile ein paar Geldhungrige. So z.B. ein dicklicher, älterer Herr unmittelbar hinter uns: “Sowas passiert immer wieder. Mir hat’s mal die Karte eingezogen”. Hinter ihm steht ein dünnes, ältliches Fräulein mit völligst verkniffenem Mund. Sie belehrt die nächsten Neuankömmlinge sofort darüber, dass der linke Apparat alle Karten einzieht. Diese wiederum melden an die nächste Besuchergeneration einen völligen Systemausfall weiter.

Wir haben dann den Ort des Geschehens verlassen. Aber an einem Samstagvormittag in der Innnenstadt ist die Kette vielleicht noch lange nicht abgerissen. So könnte die neunzehnte Weitergabe vielleicht gelautet haben, dass eine Dame, vermutlich eine Trickbetrügerin mit ihrer gefälschten Bankkarte den Automaten kaputt gemacht habe. Oder in der 33. Weitererzählung ein aufgeregter junger Mann seinem Warteschlangennachfolger erzählt, wie bei einem Banküberfall gestern just an jener Stelle eine Kugel in den Automaten eingeschlagen habe. Natürlich habe man in der Eile nur erstmal die Blende reparieren können, aber keinesfalls das komplexe Innenleben.

Was könnte die 48. Generation weitererzählt haben?  

Aha

SPINATPIXEL

Ich seh’ schon…

Watching

Nach einer Idee von Phil

Na toll!

Gestern am frühen Abend auf dem Weg zum Bahnhof: Die zweispurige Strasse verengt sich an einem Fussgängerüberweg auf eine Spur. Ein Typ mit einem grossen Geländewagen will unbedingt nach vorne, schneidet, drängt mich zur Seite und überholt. Gleich danach Stau, ich fahr rechts neben ihn auf die leere Busspur und sag ihm ein paar nette Worte. Der Typ lässt nicht mal die Scheibe runter, reagiert nicht viel, guckt nur. Als es weiter geht fahre ich als erster los, nach wenigen Metern der nächste Fussgängerübergang, die nächste Fahrbahnverengung. Ich bin vorne, der Typ im Geländewagen macht die gleiche Nummer, Vollgas, links vorbei, verkratzt die ganze linke Seite, fährt mir den Fahrerspiegel ab. Nächster Halt im Stau, ich bedeute ihm, dass es teuer wird und denke er fährt vor mir zur Seite. Er macht irgendeine Geste, die ich nicht kapiere, gibt Gas und ist weg. Verschwindibus, perdu, wech, Staunen ob des Wahnsinns. Später bei der Polizei, stellt sich heraus, dass das Kennzeichen gestohlen ist, der Wagen dann wohl auch. Morgen Spusi, dann vermutlich vergebliches Warten. Schön, dass ich nur Teilkasko hab’! Die Arschkarten sind irgendwie ungerecht verteilt, dabei hätte meine Rechte gestern Abend so schön nach Friedhof gerochen… Nette Phantasie, aber erstens ist man ja letztlich doch ein braver Staatsbürger und zweitens wird man die Visage wohl nie wiedersehen….

Nachtrag für Mystiker: Gestern Mittag kreiste ein grosser, schwarzer Vogel über meinem Wagen.

Geht nicht ohne Kettensäge zum Bäcker!

Szene, gerade eben, beim Bäcker um die Ecke:

Mayer kommt in den Laden. Die üblichen Begrüssungsfloskeln werden ausgetauscht.

Mayer: Ich nehm’ die zwoa belegten Semmeln da und noch a Stück Marmorkuchen. 

Verkäuferin: Gell, Sie san a Frührentner?

Mayer: Öhm, wie? Naa! Wie kommen’s denn da drauf?

Verkäuferin: Sie san doch krank! Ham’s doch selber erzählt!

Mayer: Vor über einem Jahr, da war ich mal a bisserl krank. 

Verkäuerin: Wundern würd mich ja nix!

Mayer zahlt und ab.

Der Tag ist gelaufen. Morgen komme ich mit der Kettensäge…

Den Inschenör

den gibt’s nicht möhr.. Das ist für Deutschland ungefähr so, als ob in Bayern kaum noch Leberkäs zu bekommen wäre. Kein Kalauer im eigentlichen Sinne, sondern bitterer Ernst.

In Deutschland fehlen aktuell ca. 22.000 Ingenieure aller Fachrichtungen. Besserung ist aus den geschätzen Absolventenzahlen der bundesdeutschen Hochschulen in den kommenden Jahrgängen nicht in Sicht. Das ist fatal, denn selbst eine sehr defensive Schätzung geht davon aus, dass durch den Mangel weitere 50.000 Arbeitsplätze nicht entstehen, die unmittelbar an diesen Ingenieurstellen hängen würden. Warum leisten wir uns sowas angesichts von immer noch fast 4 Mio. Arbeitslosen?

Ich kenne aus meinem Arbeitsleben einen Fall wo ein junges, erfolgreiches Unternehmen sofort 5-6 Ingenieure der Fachrichtung Luftfahrttechnik einstellen würde. Diese Stellen sind nicht zu besetzen. Der Unternehmer versucht jetzt die Lücke durch Rekrutierung von Ruheständlern mit Tatendrang zu überbrücken. Das mag im Einzelfall durchaus erfolgversprechend sein, stellt aber keine Lösung für eine ganze Volkswirtschaft dar. Unsere Politiker? Im Tiefschlaf! Die lassen Deutschland eher zum Auswanderungsland mutieren, als mutig zu agieren. In den Parlamenten muss man endlich begreifen, dass sich die faltig gewordene Braut Deutschland endlich tüchtig aufbrezeln muß! Geschickterweise durch eine Befreiung von den Gebühren für Ingenieurstudiengänge. Oder zum Beispiel durch einfache Einbürgerungsbedingungen für die Fachleute, die Unternehmen im Ausland gewinnen könnten. Durch kostenlose Sprachkurse. Durch Kinderbetreuungsangebote und so weiter und so fort.

Hört endlich auf Euch nur mit Euch selbst und Euren alteingesessenen Cliquen zu beschäftigen. Ich hab’ nämlich keine Lust später bis 80 zu schuften…  

Knacki

Ein Mann sitzt am Steuer seines Wagens und fährt auf einen grossen Kreisverkehr zu. Neben ihm ein Freund. Der Freund starrt wortlos aus dem Fenster. Im Kreisverkehr fährt der Mann eine Ausfahrt zu früh ab. Er bemerkt es sofort, bleibt aber trotzdem auf dieser Strasse. Die nächste Kreuzung nach links, dann wird er schon auf die richtige Route zurückkommen, denkt er. Er drückt mächtig auf’s Gas. Er weis, er ist viel zu schnell, aber es ist ihm egal. Er will schnell fahren jetzt. Der Freund sagt nichts und starrt aus dem Fenster.

Plötzlich eine Strassensperre, etwas Militärisches, schwer bewaffnete Posten, links und rechts der Strasse kleine Wachhäuschen, eine herabgelassene Schranke. Die Vollbremsung kommt zu spät. Der Wagen dreht sich um 180 Grad, mit dem Heck voran durchbricht er die Schranke und kommt nach einigen Metern zum Stillstand. Der Mann ist verwirrt, legt versehentlich den Rückwärtsgang ein und fährt somit noch ein Stück weiter in die gesperrte Zone hinein. Er hält an, die Wachen sind schnell bei ihm. Der Lauf einer Maschinenpistole ist auf die Windschutzscheibe gerichtet.

Der Mann entschuldigt sich wortreich, auch der Freund spricht jetzt. Es nützt nichts, sie werden abgeführt. Nach einem kurzen Verhör werden sie in Einzelzellen gesperrt.

Am nächsten Tag kommt ein ausgiebiges Verhör. Der Mann beteuert seinen Willen den Schaden wieder gutzumachen und dass er im Übrigen ohne jede Absicht dort entlang gefahren sei. Man glaubt ihm nicht. Er kommt zurück in seine Zelle, aber die ist nun nicht mehr verschlossen, er kann im Gebäude umherlaufen. Überall Wachen und Häftlingsgesichter, die er zu kennen glaubt. Das ganze Gebäude ist vergittert.

Einige Zeit später wird dem Mann mitgeteilt, dass er sich auf einen jahrelangen Aufenthalt in der Haftanstalt gesfasst machen kann. Dafür kann er jetzt auch das Gebäude verlassen. Er findet sich in einer ganzen Gefängnis-Kleinstadt wieder. Strassen, Läden, Restaurants, Cafes. Viele bekannte Gesichter, aber niemanden kann er wirklich zuordnen. Es wimmelt von bewaffneten Wachen zwischen den Häftlingen, an vielen Stellen kann man die hohen Mauern mit dem Stacheldraht oben drauf durch die Häuserlücken sehen.

Der Wecker klingelt und der Mann ist ein freier Mann. Frei zu duschen, einen Kaffee zu trinken und sich auf den Weg in die Maloche zu machen.

Nur so ne Idee

Leipzig ist ja der Standort einer nicht ganz unbedeutenden Buchmesse. Leipzig ist zudem auch Standort des Deutschen Literaturinstitutes. Ich weis ja nicht, ob ich vielleicht Vieles verpasst habe, aber in Sachen Bloglesungen in Leipzig habe ich weder auf Google noch im Blog Bloglesungen etwas Aufregendes gefunden… Deshalb wäre es doch vielleicht mal eine schöne Idee in dieser Stadt eine grössere Bloglesung zu veranstalten. Ich weis nicht, ob jemand aus dieser Gegend bei mir mitliest? Ich stell’ das Thema einfach mal so in den Raum vielleicht meldet sich ja wer, dem sowas auch gut gefallen würde etc. etc…. mal seh’n ob und welche Vorschläge, Ideen, Kontakte kommen.

Nachtrag:

Die Idee ist bereits in der Verwirklichung….

Am 22. März um 21 Uhr im Leipziger Volkshaus findet diesmal im Rahmen von “Leipzig liest” eine Bloglesung des Handelsblattes statt:

 

 

featuring:

Lyssa, Madame Modeste, Don Alphonso, Don Dahlmann

Danke für die Info an Helga!

Kleiner Stadtrundgang

Heute gibt’s mal ein paar fotografische Impressionen von meiner Geburtsstadt Landsberg am Lech. Dort verbrachte ich die Jahre von 1960 bis 1964. Scheisse ist das lang her…

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21.02.07

Das ist heuer der Aschermittwoch. Darauf freue ich mich ganz besonders, nämlich auf den politischen Aschermittwoch in Bayern. Also meine Vorfreude richtet sich auf die angenockte CSU, der in der Passauer Niebelungenhalle eine graue Pantherfahlheit auf die ausgemerkelten Wangen schleichen wird. Vielleicht bekommt sie es bis dahin sogar noch mit einem ausgewachsenen, grünen Star zu tun? Wer weis? Die meisten der 5.000 sonst so einigen und jubelbereiten Mitglieder werden heuer gar nachdenklich den bislang geheiligten Ort verlassen. Der billige Basispopulist Seehofer wird nicht aufhören dem schmächtigen Wirtschaftshuber an die Schienbeine zu treten, der Edi macht seine Abschiedstournee und der Beckstein wird bis dahin schon viel zu viel Magensäure produzieren und er bekommt mächtig Söderbrennen. Wenn’s richtig blöd läuft an dem Tag hat’s auch noch ein prächtiges Morgenrot über dem Bayerwald. So eins, das sogar dem blassen Maget ein rosiges Glühen auf die Wangen zaubert. 

Rettungsanker Haiti
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